Nach Austausch mit Streeck: Holetschek und Seidenath fordern Präventionsoffensive gegen Drogen und klare Korrekturen bei Cannabis

Nach einem Aus­tausch mit dem Beauf­tragten der Bun­desregierung für Sucht- und Dro­gen­fra­gen, Prof. Dr. Hen­drik Streeck, im Bay­erischen Land­tag drängt die CSU-Frak­tion auf eine präven­tive Aus­rich­tung der deutschen Dro­gen­poli­tik. Im Mit­telpunkt des Gesprächs standen die zunehmenden Gefahren durch Kokain, Crack und neue syn­thetis­che Sub­stanzen, die hohe Belas­tung für junge Men­schen sowie die Frage, ob die aktuelle Cannabis-Poli­tik den Ansprüchen von Gesund­heits- und Jugend­schutz tat­säch­lich gerecht wird.

Klaus Holetschek, Vor­sitzen­der der CSU-Landtagsfraktion:
„Die bay­erische Dro­gen- und Sucht­poli­tik stützt sich auf den bewährten Dreik­lang aus Präven­tion, Repres­sion und Hil­fe. Unser Maßstab muss sein: Risiken nicht kleinre­den, son­dern ernst nehmen. Ger­ade bei Cannabis erleben wir aber gesellschaftliche Ver­harm­lo­sung. Dro­gen­poli­tik darf sich nicht an Wun­schbildern ori­en­tieren, son­dern muss die Leben­sre­al­ität junger Men­schen, medi­zinis­che Evi­denz und die Belas­tun­gen für Fam­i­lien, Schulen und Hil­fesys­teme in den Blick nehmen. Ger­ade deshalb müssen wir auch bei Alko­hol, Tabak und Nikotin kon­se­quent sein: Höhere Preise schützen beson­ders junge Men­schen vor dem Ein­stieg in die Abhängigkeit. Eine höhere Tabak­s­teuer ist sin­nvoll, die zusät­zlichen Ein­nah­men müssen aber der Gesund­heitsvor­sorge zugute kom­men. Ziel ist, Gesund­heit viel stärk­er vom Anfang her zu denken: mit mehr Gesund­heits­bil­dung, mehr Früherken­nung und mehr Unter­stützung im All­t­ag der Men­schen. Bay­ern geht diesen Weg mit dem Mas­ter­plan Präven­tion bere­its kon­se­quent. Jet­zt braucht es auch auf Bun­de­sebene einen solchen Vor­rang für Prävention.“

Bern­hard Sei­de­nath, Vor­sitzen­der des Auss­chuss­es für Gesund­heit und Pflege:
„Wir müssen Kinder und Jugendliche bess­er erre­ichen und niedrigschwellige Hil­fen bieten. Ganz gle­ich ob Crack, Cannabis oder das Sucht­poten­zial sozialer Medi­en: Entschei­dend ist, ob Jugend­schutz und Sucht­präven­tion in der Prax­is tat­säch­lich funk­tion­ieren. Deshalb brauchen wir einen verbindlichen Präven­tion­spakt von Bund, Län­dern, Kom­munen und Gesund­heitswe­sen mit klaren Zuständigkeit­en, ver­lässlich­er Finanzierung und mess­baren Zie­len. Präven­tion darf nicht länger nur ergänzt wer­den, wenn Prob­leme bere­its eskaliert sind. Sie muss anset­zen, bevor Krankheit, Sucht und dauer­hafte gesund­heitliche Schä­den ent­standen sind. Beim The­ma Cannabis müssen wir zurück zum Sta­tus vor der Legalisierung.“

Prof. Dr. Hen­drik Streeck, Beauf­tragter der Bun­desregierung für Sucht- und Drogenfragen:
„Die Dro­gen­märk­te verän­dern sich ras­ant. Kokain, Crack und neue syn­thetis­che Sub­stanzen wer­den leichter ver­füg­bar, Mis­chkon­sum wird gefährlich­er, und unsere Hil­fesys­teme reagieren vielerorts noch zu spät. Hin­ter 2.150 Dro­gen­toten ste­hen Men­schen, Fam­i­lien und Fre­unde. Wir brauchen deshalb ver­lässliche Präven­tion, ein leis­tungs­fähiges Früh­warn­sys­tem, spezial­isierte Hil­fen für Kokain- und Crack­ab­hängige und einen bre­it­en Zugang zu Nalox­on. Auch beim Cannabis müssen wir ehrlich­er wer­den. Die Legal­isierung darf nicht zur gesellschaftlichen Nor­mal­isierung des Kon­sums führen – schon gar nicht bei Kindern und Jugendlichen. Wir wer­den uns als Union jet­zt dafür ein­set­zen, dass im Par­la­ment frühere Fehler kor­rigiert wer­den und uns für einen wirk­samen Jugend- und Gesund­heitss­chutz ein­set­zen. Wenn Frühin­ter­ven­tio­nen weg­brechen, Regeln im öffentlichen Raum kaum kon­trol­liert wer­den und mehr junge Men­schen mit akuten Prob­le­men in Kliniken behan­delt wer­den, beste­ht konkreter Kor­rek­turbe­darf. Wir brauchen klare Schutzräume für Kinder und Jugendliche, verbindliche Wege in Beratung und Frühin­ter­ven­tion und Regeln, die nicht nur auf dem Papi­er ste­hen, son­dern auch durchge­set­zt werden.“